Ökologische Vernetzung und Monitoring: Evaluierung von Konnektivität
Der Erhalt der biologischen Vielfalt und der Resilienz von Ökosystemen im Angesicht zahlreicher Landschaftsveränderungen erfordern die konsequente Sicherstellung der Vernetzung von Lebensräumen.
Das Überwachen (Monitoring) der Funktionsfähigkeit von Lebensraumkorridoren ist daher ein wissenschaftlicher Prozess zur Evaluierung der Durchgängigkeit unserer Landschaften.
Der zentrale Anspruch des Monitorings liegt in der Unterscheidung und Bewertung von zwei Dimensionen der Vernetzung:
Ein standardisiertes Monitoring ist unerlässlich. Nur durch die systematische Erfassung beider Konnektivitätsformen können Ressourcen gezielt zur Minderung von Barrierewirkungen eingesetzt und die langfristige Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen objektiv bewertet werden.
Die Strukturelle Konnektivität bezieht sich auf die räumliche Anordnung von Habitaten und Korridoren. Sie beschreibt das physikalische Potenzial für Tierbewegungen, basierend auf der vorhandenen Landbedeckung.
Die strukturelle Analyse kartiert die theoretisch möglichen Verbindungen und identifiziert kritische Engpässe (Bottlenecks), an denen die Verbindung unterbrochen oder stark beeinträchtigt ist.
Um die Lebensraumvernetzung in Österreich nachhaltig zu sichern, wurde eine umfassende, landesweite Analyse zur Bewertung des tatsächlichen Vernetzungszustandes der ökologischen Korridore durchgeführt.
Bewertung der Landschaftsstruktur (Menschliche Überprägung): Analyse, inwieweit die Landschaftsstruktur in den Korridoren durch menschliche Aktivitäten verändert ist.
Bewertung ökologisch relevanter Landschaftselemente: Analyse der Ausstattung der Korridore mit entscheidenden ökologischen Elementen (z.B. Hecken, Bäume und Büsche) basierend auf aktuellen Geodaten (z. B. Copernicus-Datensatz).
Diese Erhebung dient als Planungsgrundlage für die Absicherung und Wiederherstellung der ökologischen Infrastruktur.
Links:
Endreport: Absicherung und Etablierung der Lebensraumvernetzung in Österreich – Planungsgrundlagen
LRVA-2022: Bewertung der Lebensraumkorridore Österreich (Version 2022-10-16)
Standardisierte Überwachung der Lebensraumvernetzung: Leitfaden für die Analyse von Konnektivität
Funktionale Konnektivität beschreibt die tatsächliche Akzeptanz und Durchlässigkeit der Landschaft aus der Perspektive einer bestimmten Tierart oder Artengruppe. Sie ist das Maß dafür, wie effektiv Tiere Barrieren überwinden und Korridore nutzen.
Die funktionale Analyse berücksichtigt artspezifisches Verhalten, die Toleranz gegenüber anthropogenen Störungen und misst, ob die geplanten Querungshilfen in der Realität auch wirksam sind.
Im Rahmen des Interreg-Projektes SaveGREEN wurde ein Leitfaden für ein standardisiertes Monitoring erarbeitet. Die Methodik basiert auf einem klaren, zweistufigen Analyseansatz, der die Komplexität der ökologischen Vernetzung ganzheitlich erfasst.
Nach der Analyse der strukturellen Konnektivität, folgt die Analyse der funktionalen Konnektivität mit Hilfe eines Monitorings. Im Rahmen eines Monitorings wird erhoben, ob die Korridore und Querungshilfen wie Wildtierbrücken oder Unterführungen in der Praxis ihre Funktion erfüllen. Dabei können verschiedene Methoden wie z.B. Wildkameras oder Trittsiegelkartierungen zum Einsatz kommen.
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Die Sicherung funktionsfähiger ökologischer Korridore ist von entscheidender Bedeutung, um die biologische Vielfalt im Donauraum zu erhalten. Das Interreg-Projekt SaveGREEN (Laufzeit 2020-2022) hatte zum Ziel, Wege aufzuzeigen, wie durch integrierte Planung geeignete Ausgleichsmaßnahmen konzipiert und die Funktionalität ökologischer Korridore im Donauraum erhalten oder verbessert werden kann.
Zahlreiche Partner aus 10 Staaten erarbeiteten zwei Jahre Maßnahmen in Pilotregionen und untersuchten deren Auswirkungen. Unter anderem wurde im Rahmen des Projektes die SaveGREEN Technical Application Toolbox entwickelt.
Diese Toolbox ist eine umfassende, auf Open-Source-Technologien basierende Lösung, die darauf abzielt, den funktionalen Monitoring-Ansatz in den Pilotregionen vergleichbar umzusetzen. Ihr primäres Ziel ist die Sammlung, Harmonisierung und Verbreitung konsistenter und verlässlicher Geodaten zur Funktionalität dieser grenzüberschreitend wichtigen ökologischen Korridore.